Information für Blinde und Sehbehinderte
Ägypten

Laila Soliman

Zig Zig

Das neueste Stück der jungen Regisseurin beruht auf Gerichtsprotokollen von 1919: Angeklagt waren englische Soldaten, die ein Bauerndorf in Oberägypten überfallen, die Frauen vergewaltigt und die Häuser niedergebrannt hatten. Zwölf Frauen, alle Opfer der Vergewaltigungen, hatten damals den Mut, vor Gericht als Zeuginnen aufzutreten. Im Spiegel der aktuellen Situation von Frauen nicht nur in Ägypten, wo Vergewaltigung und Missbrauch meist verschwiegen oder verharmlost werden, zeigt «Zig Zig» eindrücklich, was es heisst, der Willkür von Machthabern ausgeliefert zu sein. Damals wie heute. (esc)

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Es war März 1919, im Jahr der ägyptischen Revolution gegen die englische Besatzungsmacht, als britische Soldaten das kleine Dorf Nazlat al-Shobak brutal überfielen, die Häuser anzündeten, fünf Bewohner töteten und mehrere Frauen missbrauchten. Ein Militärgericht wurde einberufen, das die Anklagen der Dorfbewohner untersuchen sollte. Unter den ZeugInnen waren zwölf vergewaltigte Frauen, die den Mut hatten, auszusagen. In den folgenden Monaten benutzten die ägyptischen Nationalisten den Fall der Frauen gezielt zu Propagandazwecken. Doch im Zuge des politischen Geschehens rund um die Unabhängigkeit interessierte sich bald niemand mehr dafür, und innert weniger Monate gingen die Opfer vergessen.
Laila Soliman, die in ihren Theaterarbeiten immer wieder kritisch und mit grossem Mut das aktuelle politische Geschehen in Ägypten reflektiert, greift in ihrem neuen Stück den Fall auf. Ihr Dokumentartheater, das sie zusammen mit vier jungen Schauspielerinnen, einer Musikerin und einer Historikerin entwickelt hat, stützt sich mangels ägyptischer Quellen zu den Ereignissen in Nazlat al-Shobak auf Gerichtsakten, die im Archiv des britischen Aussenministeriums gefunden wurden. In unaufgeregtem Tonfall, akzentuiert nur von wenigen, starken Gesten und den Klängen einer live gespielten Geige, rekonstruieren die vier Schauspielerinnen die historischen Geschehnisse, holen sie mit hellwacher Präsenz und spürbarer Empathie aus dem Dunkel des Vergessens ans Licht. In Englisch gehaltene, rapportierende Aussagen und Kommentare wechseln ab mit arabischen Passagen, wenn die jungen Frauen Lieder singen, aus ihrem Leben erzählen oder von den Albträumen, die sie verfolgen. Die Aussagen der Frauen von 1919 werden mit Resultaten eigener historischer Recherchen sowie persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen der Schauspielerinnen kontrastiert. Angesichts dessen, dass Vergewaltigung und Missbrauch von Frauen, nicht nur in Ägypten, immer noch zu oft verschwiegen oder verharmlost werden, stellt sich die Frage: Wieviel hat sich in diesen hundert Jahren eigentlich verändert?
Laila Soliman hat im Zusammenhang mit ihren Stücken «Lessons of Revolting» und «No Time for Art 0» (Theater Spektakel 2011 und 2012) gesagt, sie werde die Schritte der ägyptischen Revolution unter der Militärherrschaft weiterhin protokollieren. Das führt sie auch in ihrer neusten Arbeit weiter: «Zig Zig» ist nicht nur eine berührende Hommage an Frauen, die den Mut haben, zu reden, sondern zeigt ausgehend von den historischen Protokollen eindrücklich, was es heisst, der Willkür von Machthabern ausgeliefert zu sein. Damals wie heute. (esc)

Künstlerische Leitung und Besetzung

Regie  |  Laila Soliman

Schauspiel  |  Nadia Amin, Mona Hala, Reem Hegab, Zainab Magdy, Nancy Mounir

Produktion, Schauspielcoaching & Lichtdesign  |  Ruud Gielens

Historische Recherche  |  Katharine Halls

Regieassistenz  |  Hakeem Abdelnaeem, Habiba Makhlouf

Kostümdesign  |  Lina Aly

Technische Leitung  |  Omar Madkour

Übertitelung  |  Katharina Halls (englische Übersetzung), Ebtihal Shedid und Anne Simmering (deutsche Übersetzung), Ebtihal Shedid (Operator)

Produktion

Produktion & Promotion  |  Ebtihal Shedid

Produktion  |  SHISH / Brüssel – Kairo

Koproduktion  |  Schweizer Botschaft in Ägypten – Swiss Cooperation Office Kairo, HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kaaitheatre Brüssel, Forum Freies Theater Düsseldorf, BIT Teatergarasjen Bergen, D-CAF Kairo und Zürcher Theater Spektakel

Zusammenarbeit mit  |  Mahatat for Contemporary Art Kairo, 15/3 Studios Kairo und Goethe-Institut Kairo

Premiere  |  Kairo, April 2016

Foto  |  Ruud Gielens

Theater

Europa-Premiere, Koproduktion

Dauer

1:20 Std.

Sprache

Arabisch und Englisch, mit deutschen und englischen Übertiteln

Publikumsgespräch

SO 21. August, nach der Vorstellung

Ein inklusiver Anlass

Zugänglich mit Rollstuhl Mit Untertiteln

Links

Zusatzinformationen_Zig_Zig.pdf

Vorstellungen

Vorstellungen ab heute
  • Sa 20.08. 21:00 - 22:20 CHF  39.-
  • So 21.08. 19:00 - 20:20 CHF  39.-
  • Mo 22.08. 21:00 - 22:20 CHF  39.-

Spielplan